Quiet Quitting – Wenn der Job nur noch Dienst nach Vorschrift ist
Quiet Quitting – Wenn der Job nur noch Dienst nach Vorschrift ist
Montagmorgen, 8:27 Uhr. Du sitzt mit dem ersten Kaffee am Schreibtisch, der Bildschirm leuchtet schon, dein Kalender ist voll. Doch in dir – nichts. Kein Funken, kein Antrieb. Du klickst dich durch E-Mails, nickst in Meetings, erfüllst deine Aufgaben.
Funktionierst. Aber innerlich bist du längst woanders. Leiser Rückzug statt Kündigung – du hast dich entschieden, nur noch das Nötigste zu tun. Ohne Drama. Ohne Ansage.
Was ist eigentlich "Quiet Quitting"?
Vielleicht hast du es selbst schon gespürt: Die Motivation sinkt und du fühlst dich nicht mehr verbunden mit deinem Job. Im Grunde wartest du nur auf den Feierabend. Willkommen im Konzept des Quiet Quitting. Nein, du kündigst nicht wirklich – aber innerlich hast du schon einen Schritt zurück gemacht.
Aktuelle Studien gehen davon aus: Immer mehr deutsche Arbeitnehmenden befinden sich genau in diesem Zustand. Kaum ein Mitarbeitender fühlt sich emotional mit der Arbeit verbunden. Das ist alarmierend – aber auch eine Einladung, genauer hinzuschauen.
Was tun, wenn man sich darin wiedererkennt?
Der erste Schritt: Ehrlichkeit zu dir selbst. Quiet Quitting ist kein persönliches Versagen. Es ist oft eine Reaktion auf zu viel Stress, mangelnde Wertschätzung oder fehlende Entwicklungschancen.
Statt dich dafür zu verurteilen, nimm es als Signal: Dein System meldet, dass etwas nicht mehr stimmt.
Frage dich:
Was genau fehlt mir in meinem Job?
Was hat früher mal Spaß gemacht – und warum ist das verschwunden?
Habe ich noch Entwicklungsspielraum oder fühle ich mich festgefahren?
Umgang mit schlechtem Gewissen
Viele meiner Coaching-Klient:innen kämpfen mit einem schlechten Gewissen, wenn sie merken, dass sie innerlich abschalten. Das ist verständlich – aber oft nicht nötig.
Du darfst dich schützen. Emotionale Distanz ist manchmal ein Akt der Selbstfürsorge. Wichtig ist, dass du bewusst bleibst: Ziehst du dich zurück, weil du Klarheit brauchst – oder weil du schon längst innerlich gegangen bist?
Du bist niemandem verpflichtet, dauerhaft über deine Grenzen zu gehen – weder deinem Arbeitgeber noch dir selbst.
Welche Gespräche lohnen sich jetzt?
Wenn du spürst, dass du dich entfremdest, kann ein Gespräch mit deiner Führungskraft sehr hilfreich sein. Wähle deine Worte achtsam, aber ehrlich:
„Ich merke, dass meine Motivation aktuell nachlässt. Ich möchte verstehen, woran das liegt – und ob wir gemeinsam Lösungen finden können.“
„Ich würde gerne mehr Verantwortung/Abwechslung/Feedback bekommen – ist das möglich?“
„Gibt es Entwicklungsmöglichkeiten, über die wir sprechen können?“
Viele Führungskräfte wissen gar nicht, wie es ihren Mitarbeitenden wirklich geht – ein offenes Gespräch kann Türen öffnen.
Wenn du dich neu orientieren willst: So findest du gute neue Stellen
Nicht jede Situation lässt sich retten – und das ist okay. Wenn du dich auf den Weg machen willst, dann geh ihn bewusst.
Nutze Netzwerke: Sprich mit Bekannten, ehemaligen Kollegen oder Coaches. Der verdeckte Arbeitsmarkt ist oft ergiebiger als jede Jobplattform.
Achte auf Unternehmenskultur: Lies Bewertungen auf Plattformen wie kununu, achte auf Transparenz und Werte.
Mach dir klar, was du suchst: Willst du mehr Sinn, Flexibilität, Aufstiegschancen? Setze deine Prioritäten – und geh nicht in den nächsten Job aus reiner Not.
Hol dir Unterstützung: Ein professionelles Bewerbungscoaching oder ein Sparring mit einem Career Coach kann sehr hilfreich sein, um klarer zu werden.
Quiet Quitting - mehr als Buzzworing
Quiet Quitting ist mehr als ein Buzzword – es ist ein stiller Hilferuf. Wenn du ihn bei dir selbst erkennst, nimm ihn ernst. Es ist kein Zeichen von Schwäche, sondern ein Moment der Selbstachtung.
Und denk daran: Du musst da nicht alleine durch. Veränderung beginnt oft mit dem ersten ehrlichen Gespräch – mit dir selbst oder mit jemandem, der dich auf deinem Weg begleitet.
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